Die Software gemeinsam gestalten

Im Dialog zwischen Entwicklern von Viacar/ELCA und Fachexperten der Strassenverkehrsämter wurden Lösungen gefunden, von denen beide Seiten profitieren. Darum sagen wir allen Beteiligten: «Danke».

Text: Mark van Huisseling, Symbolbild Viacar AG

Als der extern angestellte Viacar-Mitarbeiter Adrian Müller, 31, im Dezember vergangenen Jahres dem Verwaltungsrat der Viacar AG vorstellte, worum es bei der Business Analyse für die technische Gesamterneuerung des Viacar-System V20 geht, hatte er eine PowerPoint-Präsentation dabei. Was nichts Ungewöhnliches ist bei solchen Anlässen. Schon etwas ungewöhnlich dagegen war, dass diese aus bloss zwei Slides bestand. Nicht weil das Vorgehen bei der Business Analyse, das damit aufgezeigt wurde, eine kleine Sache wäre. Im Gegenteil – sondern weil man komplexe Dinge, um sie leicht verständlich zu vermitteln, möglichst einfach darstellen soll.

Die technische Gesamterneuerung des heute verwendeten Viacar-System V09 ist nicht bloss nötig, um die Zukunftsfähigkeit der Applikation sicherzustellen. Sie bietet auch die Chance, die Softwarelösung gemeinsam mit späteren Anwendern zu entwickeln. Was die zu erledigenden Geschäftsfälle betrifft, profitierten die Mitarbeiter des Viacar-Business-Analyse-Teams von der grossen Erfahrung der Strassenverkehrsamts-Fachexperten, mit denen sie im Dialog standen. Dank ihrem Wissen konnte jeweils die bestmögliche Lösung gefunden und umgesetzt werden; dieser Vorgang ist nun abgeschlossen. Und darum wird an dieser Stelle allen beteiligten Mitarbeitern der Strassenverkehrsämter im Namen von Viacar und ELCA gedankt für die angenehme und zielführende Zusammenarbeit – das ist gute Teamarbeit im Wortsinn.

Zur selben Zeit standen sogenannte Viacar-Reverse Engineers im Einsatz. Ihre Aufgabe war es, den Code des Viacar-System V09 durchzusehen und die darin enthaltene Fachlogik zu verstehen. Falls Leser nun einwenden, das wäre doch nicht nötig gewesen, dafür hätte man auf die Systemdokumentation zurückgreifen können, erwidert Müller: «Theoretisch stimmt das, doch in der Praxis fehlte eine solche.» Was unangenehm sei, aber nicht unüblich. «Es gibt einen Ausdruck für ein unübersichtliches Programm, an dem zahlreiche Entwickler über viele Jahre mitgearbeitet haben: ‹Spaghetti-Code›», sagt Müller. Und der Grund sei, dass Software-Entwickler mehr Interesse hätten, ein Programm zu schreiben, als danach eine Dokumentation darüber zu erstellen. Während der Arbeit lernten die Reverse Engineers zudem die Business Regeln kennen. Diese fussen auf gesetzlichen Vorschriften – etwa dass einen Lernfahrausweis erst beantragen darf, wer ein bestimmtes Alter hat. Natürlich ist es Aufgabe der Software, diese einzuhalten.

Dann begann die Arbeit der ELCA-Business-Analysten: Nach dem Durcharbeiten der Geschäftsfälle und Business Regeln machten sie, wo das nötig und mit einer Verbesserung verbunden war, Änderungsvorschläge bei den zuständigen Strassenverkehrsamtsmitarbeitern. Die Fachexperten der Strassenverkehrsämter prüften jeden Antrag und gaben, falls sie einverstanden waren, die jeweilige Änderung frei. So wurde etwa beantragt, dass verschiedene Dialoge mit ähnlichem Inhalt konsolidiert wurden. Beispielsweise wurde FAKFUR erweitert, um die Dialoge FUHRE und MOFAU zu streichen, was mit Zeitersparnis für die Sachbearbeiter verbunden sei, sagt Müller weiter.

Alles das stand auf der ersten Seite von Müllers zweiseitiger PowerPoint-Präsentation zu Handen des Verwaltungsrats der Viacar AG. Ganz am rechten Rand des Slides hatte er noch einen Notizblock gezeichnet, der mit «Fachspezifikation» untertitelt war. Der technisch erneuerten Software-Applikation V20 liegen sogenannte Fachspezifikationen zugrunde, eine je Module. Mit den gesamthaft 120 Modulen lassen sich zirka 250 Geschäftsfälle, die auf den Strassenverkehrsämtern eintreten, bearbeiten und erledigen; einzelne Module können für mehr als einen Geschäftsfall verwendet werden.

Auf dem zweiten und letzten Slide der Präsentation hatte Müller nicht mehr so viel zu visualisieren: Alle Fachspezifikationen, richtig zusammengesetzt wie die Teile eines Puzzles, ergeben das, was heute noch als Vision beschrieben wird. Was aber ab dem Jahr 2020 in den Strassenverkehrsämtern der Kantone Aargau, Schaffhausen, Zug, Zürich, Luzern und Waadt im Einsatz stehen und den Mitarbeitern die tägliche Arbeit erleichtern wird – das technisch gesamterneuerte Viacar-System V20 mit vollständiger Systemdokumentation.

In der Zukunft werden Reverse Engineers keinen Spaghetti-Code mehr vorfinden, wenn sie sich die Applikation V20 vornehmen werden. Denn die Gesamtheit der Fachspezifikationen stellt eine saubere und lückenlose Dokumentation der Software dar. Und diese, nebenbei erwähnt, ist nicht auf bedrucktem Papier in Ordnern abgelegt, sondern es handelt sich dabei um ein digitales Tool, auf das über Links zugegriffen werden kann. Adrian Müller: «Das nennt man ‹best practice›.»

 

Eine umfangreiche und vollständige Business Analyse ist die grundlegende Basis für das Redesign vom Viacar-System V20. >Weiterlesen.